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Plattnerei und damit verbundene Handwerke

Produktionsprozeß
Behandlung der Oberfläche

Stand eines Waffenhändlers Die großen Zentren der Plattnerei lagen in Mailand, Brescia, Nürnberg und Augsburg. Hier hatte sich ein starkes Plattnerhandwerk etabliert, dass im späten 15. Jahrhundert schon fast als industriell bezeichnet werden könnte. Wie andere Handwerke auch, war die Plattnerei in Zünften organisiert, die die Produktion in einer Zunftordnung regelte. Jede Plattnerfamilie versah ihre Produkte mit ihrem Symbol, dass durch einen Stempel in das Metall eingeschlagen wurde. Diese Form der Markierung bildet den Vorläufer des Markenartikels unserer Tage. Eine weitere Markierung kam hinzu, als seit Mitte des 14. Jahrhunderts eine amtliche Beschau zur Qualitätssicherung eingeführt wurde. Dabei wurde der Harnisch auf seine Widerstandsfähigkeit gegen zeitgenössischen Waffen getestet und bei erfolgreichem Test mit dem amtlichen Beschausiegel beschlagen, dass damit die Funktion eines Gütesiegels übernahm. In früheren Zeiten wurde der Harnisch in diesem Test beispielsweise mit einer Armbrust beschossen, später kam dann auch ein Beschusstest mit Feuerwaffen auf. Vor dem Hintergrund einer solch hohen Entwicklungsstufe waren die Waffenschmieden in der Lage vom einfachen Landsknechtsharnisch, die zu tausenden hergestellt wurden, bis hin zum Prunkharnisch für Kaiser und Könige, an deren Gestaltung auch Goldschmiede, Ätzmaler und die führenden Künstler der Zeit beteiligt waren, jeden Wunsch zu erfüllen. Alle vier Zentren exportierten ihre Rüstungen in die entlegendsten Winkel Europas, wobei auch auf den lokalen Geschmack der Exportmärkte eingegangen wurde. Dabei reisten z.B. Mailänder Agenten in die Zentren Europas um dort eine Art Vertriebszentrum ihrer Waffenschmiede zu betreiben. Andere Waffenschmiede entschieden sich dazu, direkt am Hofe eines betuchten Königs zu arbeiten. Nur die wohlhabendsten konnten sich jedoch eine eigene Harnischproduktion leisten, meist wurde ein Plattner nur zu Reparaturarbeiten an den Hof geholt. Je nach Portemonnaie des Kunden wurden Harnische als Stück „von der Stange“ angeboten, oder auch als Maßanfertigung auf Weisung des Auftraggebers in Einzelfertigung hergestellt. Dazu nahm man entweder Maß oder der Kunde schickte einige Kleidungsstücke an den Waffenschmied, so dass dieser daraus die Körpermaße ermitteln konnte. Die an anderer Stelle ausführlicher beschriebenen Prunkharnische des 16. Jahrhunderts bildeten dabei die Spitzenprodukte. Doch auch Turnier- und gewöhnliche Harnische hatten im 15. Jahrhundert ein Qualitätsniveau erreicht, dass erst die Erfahrung vieler Plattnergenerationen ermöglichte. Leider ging vieles von diesem Wissen verloren, da jede Waffenschmiede die Feinheiten ihrer Produktionskenntnisse wie einen Augapfel hüteten. Heute ließen sich Repliken derartiger Qualität, wenn überhaupt, nur unter dem Einsatz modernster Technik herstellen.

Ausgangspunkt der Produktionskette bildeten die Roheisenproduzenten. In großem Stil wurde aus Eisenerz Roheisen gewonnen und in Barrenform an die verarbeitenden Manufakturen verkauft. Es gibt Hinweise darauf, dass selbst auf dieser Produktionsstufe Exportgeschäfte abgewickelt wurden, obwohl es damals noch in weiten Teilen Europas Erzvorkommen gab. Im nächsten Schritt verarbeiteten Großschmieden die Barren mit Hilfe von wassergetriebenen Schmiedehämmern zu Platten, die schließlich an die Waffenschmieden geliefert wurden. Hier wurden die Platten weiter in Form gebracht, wobei eine Vielzahl verschiedener Hämmer und Ambosse zum Einsatz kam. Je nach Körperpartie, der Verwundbarkeit des Körperteils und der zu erwartenden Trefferwahrscheinlichkeit wurden die Metallteile an wichtigen Stellen stärker belassen und an anderen dünner geschlagen, um Gewicht zu sparen. Mit Hilfe von Blechscheren, die in einem Holzbock fixiert waren konnte das Eisen genau zugeschnitten werden. All diese Arbeitsschritte wurden am kalten Metall von Hand durchgeführt. Nur die Vorarbeit konnte später von wasser- oder pferdegetriebenen Schmiedehämmern übernommen werden. Meist wurden die Schmiedearbeiten am kalten Metall durchgeführt und die Teile anschließend durch mehrfaches Erhitzen und Abschrecken im kalten Wasser gehärtet.

Im nächsten Schritt wurde die Oberfläche des Harnisch behandelt. Als es en vogue war, ein möglichst glänzendes Stück zu tragen, polierte man die Oberfläche mit Hilfe einer sog. Harnischmühle, die aus schnell rotierenden Holzscheiben mit Lederbezug bestand und von Wasser- oder Pferdekraft angetrieben wurde. Original Rüstungen weisen deshalb eine glatte Oberfläche und auf der Innenseite Dellen auf, die durch die Hammerschläge entstanden sind. Im Gegensatz dazu war es Ende des 16. Jahrhunderts üblich, Rüstungen pechschwarz zu färben, indem Ölmischungen in die Oberfläche eingebrannt wurden. Die vielfältigen Verzierungen der Rüstungen des 16. Jahrhunderts wurden nach der Politur eingearbeitet. Während Künstler wie Albrecht Dürer die Vorlagen für die Spitzenstücke lieferten, arbeiteten bei der Umsetzung Goldschmiede und Ätzmaler mit dem Plattner zusammen.

Die Ätzmalerei des 16. Jahrhunderts kannte dabei zwei verschiedene Techniken. Bei der Tiefätzung wurde das Bild mit Hilfe eines Griffels in den Ätzgrund geritzt. Im Gegensatz dazu wurde bei der Hochätzung die Fläche um die Verzierung herum weggeätzt, indem die Verzierung mit einer Beschichtung aus Wachs oder Öl und Asphaltlack bestrichen und der Rest mit einer Säure behandelt wurde. Alternativ konnte das Metallstück in konzentriertem Essig gesiedet werden. Der weggeätzte Teil wurde danach oft geschwärzt oder sogar vergoldet.

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