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Evolution der Ritterrüstung, vom Wams bis zum Prunkharnisch Fine antique arms and armour

Zeitraum von 1050 bis 1250
Zeitraum von 1250 bis 1360
Zeitraum von 1300 bis 1600
Zeitraum von 1600 bis 1650

Im Laufe der Geschichte machte die Schutzkleidung der Ritter und Landsknechte eine weitreichende technische Entwicklung durch, an deren Ende der Plattenharnisch stand, der den ganzen Körper bedeckte. Hier soll diese Entwicklung anhand des Zeitfensters vom 11. bis zum beginnenden 17. Jahrhundert beschrieben werden

Auch die Funktion der Rüstung gewann im Zuge der technischen Entwicklung an Tiefe. So diente der Harnisch zunächst überwiegend dem Schutz im Kampf. Später gewann dann auch der Harnisch als Kunstobjekt zu Repräsentationszwecken an Bedeutung. Auf diese Funktionen wird weiter unten eingegangen.

1050 – 1250

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Eine wertvolle Quelle, die uns etwas über die Schutzkleidung des Ritters aus dem elften Jahrhundert verrät ist der Teppich von Bayeux, der die Eroberung Englands durch Herzog Wilhelm darstellt. Es ist eine Vielfalt an Kriegern, Waffen und Rüstungen abgebildet, über deren Bekleidung sich sonst oft nur mit Hilfe der spärlichen Funde aus Ausgrabungen eine Aussage fällen lässt.

Wie in der Abbildung zu sehen ist, bestand die Ein Ritter im Kettenhemd Schutzkleidung des Ritters aus einem Kettenhemd, dass bis über die Oberschenkel reichte. Diese Hemden waren aus vielen tausend Eisenringen gearbeitet und aufgrund des hohen Arbeitsaufwandes extrem kostbar. So konnte der Wert eines Kettenhemdes durchaus den Gegenwert von 70 Schafen ausmachen, so dass es nur Lehnsherren finanziell möglich war ein Kettenhemd zu erwerben. Unabhängig davon war es jedoch in diesen Tagen ein Privileg des Ritters, ein Kettenhemd zu tragen und dem Fußsoldaten verboten. Auch der Kopfschutz wurde zunächst durch das Kettenhemd gewährleistet, dass als Kapuze bis über den Kopf reichte. Über dem Kettenhemd wurde ein farbenprächtiger Waffenrock getragen, der oft die Heraldik des Ritters, also sein Wappen darstellte. Maciejowski Bibel, um 1250 Darunter kleidete sich der Ritter in ein gefütterters Wams aus Wolle oder Leder, um ein Wundscheuern zu vermeiden. Als zusätzliche Verteidigung führte man einen Schild, der zunächst mandelförmig, später dreieckig war. Schon in diesen frühen Jahren kam es in der Kriegstechnik dazu, dass Innovationen in der Defensivtechnik zu ausgefeilteren Entwicklungen von Angriffswaffen führten, die wiederum verbesserte Verteidigungstechnik zur Folge hatten. So kam es dazu, dass die Kettenkapuze bald durch einen Helm ersetzt wurde, der zunächst als konischer Helm mit Nasenspange weite Teile des Gesichts unbedeckt ließ. Später kam der Topfhelm auf, der den gesamten Kopf bedeckte und mit Sehschlitz und Atemlöchern ausgestattet war. Beide Helme mussten gut festgebunden werden und mit der darunter getragenen Polsterung eine Einheit bilden, denn nur so konnten sie ihre Schutzfunktion entfalten. Auch beim Kettenhemd wurden nun Innovationen erforderlich, da beispielsweise Pfeilspitzen entwickelt worden waren, die nadelspitz waren und somit das Kettenhemd durchdringen konnten. Damals wie heute unterlagen Schutz- und Zivilkleidung modischen Strömungen, die verschiedene Elemente prägten.

1250-1360

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Während dieses Zeitraumes vollzog sich der Wandel vom Kettenhemd zum vollständigen Plattenharnisch. Zunächst begann man damit, exponierte Körperteile wie Unterarme, Schienbeine und Knie mit Platten aus Horn, Leder, Walfischbein und Eisen zu bedecken. Ein Ritter in Kettenhemd und Hundsgugel Später kamen weitere Platten dazu, die auf dem Waffenrock angebracht waren und über dem Kettenhemd getragen wurden. Dieser kontinuierliche Entwicklungsprozess führte schließlich dazu, dass die Platten immer weitere Körperteile bedeckten und das Kettenhemd nur noch auf bisher unbedeckte Partien beschränkt wurde – der vollständige Plattenharnisch war geboren worden. Unter dem Plattenharnisch trug man ein Wams, dass mit Wolle oder Fell gefüttert war. An den Stellen, über welchen die Platten überlappten, verstärkte man den Wams zusätzlich.


Ca 1300 bis 1600

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Diese drei Jahrhunderte markieren den Höhepunkt der Rüstung und der bei ihrer Herstellung involvierten Handwerkskünste. Während außerhalb von Europa, nur in Japan vergleichbar anspruchsvolle Rüstungen gebaut worden sind, gab es ausschließlich in Europa die dafür erforderlichen Bedingungen: Für die Harnischproduktion des Mittelalters war ein Mindestmaß an wirtschaftlichem Wohlstand, Handelsbeziehungen und ein gut entwickeltes Handwerk unabdingbar.

Rüstung um 1390 Im Abendland wurden bereits in der Antike Rüstungen gebaut. Allerdings gab es erst im späten Mittelalter technische Neuerungen, die die Herstellung und den Einsatz von Plattenharnischen überhaupt ermöglichten. So gewährleistete der Sattel mit hohem Rand dem Ritter einen festen Halt – eine wichtige Voraussetzung für den Kampf im Harnisch. Auch die Züchtung robusterer Pferde ließ erst den Kampf in voller Rüstung zu, da das Gewicht des Ritters durch Rüstung und Bewaffnung erheblich war. Im Zuge dieser neuen Möglichkeiten kam es auch zum Einsatz schwerer Lanzen, die an der Rüstung in einen Rüsthaken eingehängt waren, so dass der Ritter im Gegensatz zum Kämpfer der Antike die Lanze nicht mit der eigenen Muskelkraft schleudern musste, sondern die ganze Wucht von Pferd, Reiter und Material einsetzen konnte. Auf einen Schild konnte hier verzichtet werden, da die Plattenharnische einen dem Schild ebenbürtigen Schutz boten. Die frei werdende linke Hand konnte dadurch die Arbeit an den Zügeln und so die Manövrierfähigkeit des Pferdes fördern. Auch der Steigbügel verbesserte die Kampftechnik, indem er es dem Ritter ermöglichte, die Beine anstelle zur Führung des Pferdes dazu einzusetzen, im Kampf die jeweils beste Haltung einzunehmen.

Eine derartige schwere Panzerung wurde allerdings in erster Linie in der Reiterei eingesetzt – Fußsoldaten verwendeten Rüstungen dünneren Materials und schlechterer Qualität. Zum einen konnten Landsknechte finanziell nur auf „Massenprodukte“ zurückgreifen, zum anderen war eine gewisse Beweglichkeit im Fußkampf unabdingbar, die zu Lasten der Schutzfunktion erkauft werden musste. Dieser Konflikt zwischen Gewicht und Schutzfunktion wurde von den Plattnern oft sehr geschickt gelöst, indem die schutzwürdigsten Stellen, sowie die Bereiche in denen die meisten Treffer zu erwarten waren, besonders dick gearbeitet wurden, während sich das Metall in Richtung der weniger wichtigen Bereiche verjüngte. Meist war die linke Seite der Rüstung sehr stark gearbeitet und mit zusätzlichen Schutzfunktionen versehen, da der Krieger mit der rechten Hand die Waffe führte und die linke Seite am ehesten einen Treffer einstecken musste. So kam es dazu, dass viele Rüstungen asymmetrisch gearbeitet wurden. Während es beim rechten Arm auf Beweglichkeit ankam, war der linke oft weniger beweglich, dafür aber besser geschützt und oftmals auf der Schulter mit einem Brechrand versehen. Diese Auswölbung, die an einen überdimensionierten Kragen erinnert, sollte sicherstellen, dass ein Schwerthieb zur Schulter nicht auf der runden Schulter abglitt und den Hals traf.

Der Brechrand war unter anderem auch ein Element, das dem Aussehen der Rüstung etwas Furchteinflößendes verlieh. Und genau hier lag ein wesentliches Kriterium bei der Gestaltung von Harnischen. Der Gegner sollte durch die Rüstung möglichst verängstigt werden. Dieses Ziel findet in vielen Elementen des Designs von Harnischen seinen Niederschlag. So verzierte man beispielsweise viele Rüstungen mit Darstellungen wilder Tiere oder grotesken Fantasiewesen. Prunkharnisch Unter den kunstvollsten Rüstungen des 16. Jahrhunderts waren sogar Helmzierden in Form von nachgebildeten Kreaturen oder Masken als Helmvisier, die beispielsweise einen Löwen darstellten. Auf diese Weise wurde allerdings nicht nur Schrecken vermittelt. Zugleich stellten diese Rüstungen Kunstwerke dar, die den Status seines Besitzers herausstellten sollten. Dadurch gelang es dem Ritter, eine völlig andere Persönlichkeit anzunehmen, so dass man hier von einer bewussten Maskierung sprechen kann. Vermutlich wurden diese sog. Prunkharnische nicht einmal für den Kriegseinsatz konstruiert. Anlaß zur Fertigung dieser Kunstwerke waren vielmehr Repräsentationszwecke wie eine Hochzeit, ein Turnier, eine Parade o.Ä. Landsknecht Paradoxerweise sind Prunkharnische, welche sich nur die vermögendsten Fürsten leisten konnten, weitaus öfter erhalten, als die vielen tausend einfachen Harnische, die quasi industriell für die Massen der Landsknechte und einfache Ritter hergestellt wurden. Letztere wurden oft eingeschmolzen als der Harnisch außer Gebrauch kam, um das Eisen anderweitig zu verwerten. Glücklicherweise können einige Exemplare im Landeszeughaus von Graz bewundert werden.

Statusstreben war schon während der gesamten Ritterzeit ein Motiv, dass bei der Gestaltung von Rüstungen eine Rolle spielte. Daher beeinflusste auch immer die Mode, und im größeren Zeithorizont der Stil die Plattnerei . Tonangebend waren in Europa die Zentren der Harnischproduktion in Süddeutschland, wie Nürnberg und Augsburg, und in Norditalien Mailand und Brescia. Vereinfachend kann zwischen „Deutschen“ Stilrichtungen und Italienischen unterschieden werden. In beiden Fällen gab es Interdependenzen zwischen der Plattnerei und den jeweils vorherrschenden Trends der zivilen Mode und Architektur.

Gotische Rüstung So wurden beispielsweise die Rüstungen des späten 15. Jahrhunderts mit spitzen Schuhen ausgestattet und lagen eng an, um den aktuellen Kleidungsstil zu imitieren und der linearen Betonung der Gotik gerecht zu werden. Im fünfzehnten Jahrhundert gab es in Italien eine leichte Lösung vom Kleidungsstil, bei der die Rüstung als eigenständiges Kunstwerk im Vordergrund stand. Demgegenüber war in Deutschland zu dieser Zeit die sog. Gotische Rüstung (s. Abb.) en vogue, deren markanteste Komponente wohl die Schaller ist, ein nach hinten spitz zulaufender Helm. Zu Beginn der Renaissance Anfang des 16. Jahrhunderts kam es dann zu einem schlagartigen Wandel des Geschmacks, der seinen Niederschlag in den maximilianischen Riefelharnischen fand. Maximilianischer Riefelharnisch Diese Rüstungen sind durch ihre charakteristischen Riefel unverwechselbar und stellen den Anfang einer Zeit dar, in der Rüstungen zunehmend verziert wurden. Dabei wurden die oben beschriebenen Grotesken als Zierde verwendet, sowie religiöse Motive, heroische Szenen und Mythen dargestellt. Diese Entwicklung vollzog sich während des gesamten 16. Jahrhunderts und ging schließlich soweit, dass Prunkharnische hergestellt wurden, für deren Zierde die besten Künstler der Zeit verantwortlich waren und die aktuellen stilistischen Mittel der Spätrenaissance einbrachten. Es entstanden äußerst kostbare Kunstwerke, die oft einen überladenen Eindruck machen und Ausdruck einer pompösen Kultur sind. Während die Prunkharnische natürlich extrem selten waren, blieb die Zierde auch auf einfachen Harnischen nicht völlig aus. Selbst auf Rüstungsteilen für Landsknechte finden sich Verzierungen, die oftmals Motive der Götter Venus und Mars darstellen oder Adam und Eva gewidmet waren.

Auch in Italien wurden während des 16. Jahrhunderts Rüstungen zu Repräsentationszwecken konstruiert. Der Italienische Stil orientierte sich dabei allerdings an Vorbildern der Antike. So wurden beispielsweise Brustpanzerungen hergestellt, die den menschlichen Körper nachbildeten. Selbstverständlich waren auch diese Rüstungen nicht für den Kampf vorgesehen, sonder dienten nur der Repräsentation. Ein Brustpanzer, der die Muskeln des Oberkörpers nachbildet konnte zudem auch gar nicht in der für den Kriegseinsatz erforderlichen Stärke geformt werden.

maximilianische Harnischbrust

Neben Prunkharnischen und Rüstungen für den Kriegseinsatz gab es eine weitere Kategorie von Spezialrüstungen, die Turnierharnische. Warum wurde für das Turnier eine andere Rüstung als in der Schlacht verwendet? Im Kriegseinsatz waren an die Rüstung andere Anforderungen gestellt als im Turnier. Der Ritter musste in einer Schlacht damit rechnen, dass sein Pferd (trotz Pferderüstung) fällt oder er selbst von einem anderen Ritter vom Pferd gestoßen wird. In einem solchen Fall war es überlebenswichtig, auch zu Fuß weiterkämpfen zu können. Um einigermaßen gegen die geringfügig gerüsteten und daher beweglichen Landsknechte bestehen zu können, war also ein Mindestmaß an Beweglichkeit erforderlich, die nur zu Lasten des Gesamtgewichts erreicht werden konnte. Auch erforderte es eine Schlacht, den Harnisch oft tagelang angelegt zu lassen, so dass er nicht zu sehr belasten durfte und der Helm mit einem aufklappbarem Visier ausgestattet sein musste. Das Gewicht einer Rüstung, die für den Kampf vorgesehen war betrug daher zwischen 1450 und 1550 selten mehr als 25 kg.

Im Gegensatz dazu war die Begegnung im Turnier relativ kurz, so dass das Gewicht der Rüstung beim Kampf zu Pferde eine untergeordnete Rolle spielte. Dies führte dazu, dass die Turnierrüstung extrem stark gepanzert werden konnte. Stechhelme So waren spezielle Stechhelme aus solch starken Eisenplatten gearbeitet, dass das Gewicht so sehr zunahm, dass der Helm nicht mehr vom Kopf getragen werden konnte, sondern auf den Harnisch aufgeschraubt werden musste. Ein derart eingeschränktes Gesichtsfeld wäre für den Kriegseinsatz völlig untauglich gewesen. Auch andere Bereiche des Harnischs wurden extra schwer gepanzert, so dass das Gewicht der Ritter schließlich so hoch war, dass sie ihre Pferde nur mit Hilfe eines Spezialpodests besteigen konnte. Das Pferd war beim Turnier ebenfalls durch einen Harnisch geschützt. Um nicht extra einen Turnierharnisch kaufen zu müssen, wurden auch Harnischgarnituren angeboten. Hier konnte auf einen gewöhnlichen Harnisch für das Turnier ein Extrateil auf den Brustpanzer zur Verstärkung aufgeschraubt werden, dass auch den Helm zusätzlich abdeckte.

Auch für das Fußturnier wurden Spezialharnische angefertigt. Da oft stumpfe Waffen bis hin zu Holzkeulen verwendet wurden, stattete man entsprechende Rüstungen z.T. mit Lederkappen aus und gebrauchte als Visier ein Metallgitter, dass ein größeres Gesichtsfeld möglich machte als die gewöhnlichen Sehschlitze.

1600 bis ca 1650

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In diesem Zeitraum kam der Harnisch aufgrund einer sich ändernden Kriegstechnik außer Gebrauch. Feuerwaffen wurden immer präziser und leichter zu handhaben, so dass ihre Verwendung auf den Schlachtfeldern ständig zunahm. Um Harnische kugelsicher zu machen, musste derart viel Eisen verwendet werden, dass das Gewicht der Rüstungen stark zunahm. Ein Kürassierharnisch wog Anfang des 17. Jahrhunderts bereits 40 kg. Die Konsequenz war, dass Fußtruppen bald nur noch einen Helm, oder allenfalls einen Brustpanzer trugen, und der Harnisch auf die schwere Reiterei beschränkt war. Schwerer Reiterharnisch Was die Schussfestigkeit angeht, so konnte sie allenfalls bei der Brustpanzerung erreicht werden, so dass man auf andere Rüstungsteile, wie Beinröhren und eiserne Schuhe verzichtete. Nachdem die Harnischproduktion um 1500 mit der tausendfachen Herstellung einfacher Harnische für die Landsknechtsheere den Höhepunkt erreicht hatte, war es nun mit der Rüstung im Kriegseinsatz vorbei.

Stilistisch Feldküriss um 1630 verschwanden um 1600 auch die Dekorationen der Rüstung. Es herrschten nun einfache, grobe Formen vor, die die Brutalität des dreissigjährigen Krieges unterstrichen. Darüber hinaus war es üblich, die Rüstungen durch einbrennen einer Ölmischung zu schwärzen.

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